Klimakiller Nüsse?
Nüsse haben einen ziemlich guten Ruf: Sie sind gesund, reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralstoffen und unterstützen Herz und Kreislauf. Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt sogar, jeden Tag eine Handvoll Nüsse zu essen.
Worüber wir allerdings wenig reden: Nüsse sind meist alles andere als nachhaltig und können teils richtige Klimakiller sein. Wir geben dir einen kurzen Nachhaltigkeits-Check deiner Lieblingsnuss und zeigen, worauf du beim Nusskauf achten solltest.
Das Nachhaltigkeitsproblem bei Nüssen:
Herkunft und CO2-Ausstoß:
Woher kommt eigentlich dein Nussmix? Beim Blick auf die Verpackung wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen, dass darauf kein Herkunftsland gedruckt ist. Das hat auch einen Grund: Nüsse kommen meist von weit, weit her. Auch wenn es in Deutschland heimische Nüsse gibt, sind wir kein nennenswerter Nuss-produzent. Stattdessen werden beispielsweise 80 % aller Mandeln in Kalifornien produziert. Deine Haselnüsse kommen wiederum mit ziemlicher Sicherheit aus der Türkei. Heißt also: Nüsse werden meist mit hohem CO2-Ausstoß importiert. Das deutsche Lebensmittelrecht verlangt außerdem nur bei ungeschälten Mandeln, Hasel- und Walnüssen, dass das Ursprungsland auf der Verpackung deklariert wird. Immerhin: Bei Bio-Nüssen erkennst du am Ländercode unter dem Bio-Siegel, wo die Nüsse herkommen beziehungsweise ob sie aus der EU stammen oder nicht.
Arbeitsbedingungen:
Die Nuss-Ernte ist extrem anstrengend, die Arbeitsbedingungen oft prekär. So kommen Arbeiter beim Knacken von Cashews oft in Kontakt mit ätzendem Öl.
Auf Haselnussplantagen ist immer wieder die Rede von Kinder- und Zwangsarbeit. Zusätzlich ist das Sammeln der Nüsse oft mühsame Handarbeit. Die Arbeitsbedingungen auf den einzelnen Plantagen sind meist undurchsichtig und zwielichtig. Wer Nüsse aus fairem Anbau kaufen möchte, sollte daher auf das Fairtrade-Siegel achten.
Wasserverbrauch:
Gerade in den trockenen Regionen der Nussplantagen ist intensive, künstliche Bewässerung notwendig. Allein ein Kilo Mandeln aus Kalifornien verbraucht etwa 13.000 Liter Wasser. Das geht so weit, dass der Nussanbau in vielen Region für Engpässe beim Trinkwasser verantwortlich ist.
Schädlinge und Pestizide:
Die meisten Nussplantagen sind Monokulturen, was sie anfälliger für Schädlinge macht. Dagegen werden Pestizide eingesetzt, die sich auch in Rückständen noch auf den Nüssen befinden können. Auch bei der Lagerung werden konventionelle Nüsse mit dem Container-Begasungsmittel Methylbromid besprüht. Das ist besonders schädlich für die Ozonschicht der Erde. Dieses Problem kannst du mit dem Kauf von Bio-Nüssen umgehen.
Alternativen und Tipps:
Besonders bei Nüssen solltest du wo möglich auf Regionalität achten. Haselnüsse und Walnüsse gibt es auch aus Deutschland. Du kannst dich auch auf Webseiten wie mundraub.org informieren, wo in deiner Umgebung Nüsse wachsen, die auch kostenlos geerntet werden dürfen.
Bio- und Fairtrade-Siegel können bei Nüssen wirklich große Unterschiede machen. Mit dem Bio-Siegel umgehst du giftige Chemikalien. Bei Nüssen aus Schwellen- und Entwicklungsländern solltest du auf faire Anbau- und Handelsbedingungen achten, etwa durch ein Fairtrade-Siegel.
Nüsse in der Übersicht
Mandeln: Mandeln sind besonders wasserintensiv. In Kalifornien, wo fast 80 Prozent der Mandeln weltweit hergestellt werden, führt das immer wieder zu Wasserknappheit. Bis zu fünf Liter kann eine einzige Mandel verbrauchen. Außerdem werden auf den Plantagen große Mengen Düngemittel und Pestizide ausgebracht. Hinzu kommt, dass zur Bestäubung oft Bienenvölker ausgebeutet werden. Das Bio-Siegel ist hier nur bedingt hilfreich. Deswegen die unbequeme Empfehlung: Auf Mandeln sollte weitestgehend verzichtet werden. Das gleiche gilt im Übrigen auch für Pistazien.
Cashews: Cashews werden überwiegend in Afrika und Asien angebaut und verbrauchen vergleichsweise wenig Wasser. Aber: Ihr Weg bis in die deutschen Supermarktregale ist absurd lang. Denn die Verarbeitung von Cashews findet fast ausschließlich in Indien statt. Die Cashews wandern also aus ihrem Herkunftsland erstmal nach Indien, bevor sie zu uns geliefert werden. Deshalb solltest Du hier, wenn möglich, auf Fairtrade-Cashewkerne achten.
Paranüsse: Sie verbrauchen sehr wenig Wasser und wachsen wild in den Regenwäldern Südamerikas und der Elfenbeinküste. Da sie nicht kultiviert werden, brauchst Du kein Bio-Siegel. Hier solltest Du allerdings die harten Arbeitsbedingungen bedenken und auf fair gehandelte Paranüsse setzen.
Haselnüsse: Haselnüsse sind zwar heimisch in Deutschland, trotzdem werden über 70 Prozent aller Haselnüsse in der Türkei angebaut. Hier sind allerdings die Arbeitsbedingungen äußerst problematisch:Auf vielen Haselnussplantagen werden unterbezahlte Saisonarbeiter ausgebeutet, oft findet auch Kinderarbeit statt. Hier solltest Du also unbedingt auf deutsche Produkte setzen.
Walnüsse: Walnüsse sind auf Platz drei der weltweit beliebtesten Nüsse. Sie stammen fast ausschließlich aus den USA oder Mexiko, von wo aus es ein weiter Weg nach Deutschland ist. Aber: Walnüsse gibt es auch in deutschem oder zumindest europäischem Anbau. Hier also wenn möglich auf die Herkunft achten!
Erdnüsse: Die liebste Snack-Nuss der Deutschen kommt häufig aus China und Indien. Bis auf ihren langen Transportweg sind Erdnüsse ökologisch gesehen aber keine schlechte Wahl: Die Hülsenfrucht fixiert Stickstoff aus dem Boden und kann helfen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Auch hier solltest Du je nach Ursprungsland zu fair gehandelter Ware greifen.