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“Ich bin dann mal offline” – so geht Digital Detox

Lieber Scrabble mit der Familie als Scrollen am Handy: Digitale Auszeiten werden heute immer beliebter. Gleichzeitig ist das Smartphone für über die Hälfte der Deutschen unverzichtbar. Wie gelingt der Urlaub vom „Onlinesein“ am besten?

Auf dem Handy häufen sich die Push-Benachrichtigungen: 50 Mails, 20 Nachrichten und vier verpasste Anrufe – dabei sind wir längst den ganzen Tag online. Wir verabreden uns auf WhatsApp, erledigen die Kundenarbeit per Mail und fragen Alexa oder Google nach Rat. Eine kurze Verschnaufpause vom Online-Dasein? Nicht in Sicht. Kaum verwunderlich, dass viele Expert*innen mittlerweile zum sogenannten Digital Detox raten.

Was ist Digital Detox?
Digital Detox (deutsch: digitale Entgiftung) ist die Auszeit von jeglicher Art elektronischer Endgeräte, egal ob Smartphone, Laptop oder Smartwatch. Wie das konkret aussieht und wie lange der Verzicht anhält, ist individuell bestimmbar. Manche verzichten einen Monat am Stück auf jegliche Art digitaler Medien, andere wiederum richten sich einen handyfreien Tag in der Woche ein. Das Ziel von
Digital Detox ist es, sich der Dauererregung durch die sozialen Netzwerke und der ständigen Erreichbarkeit zu entziehen. So sollen der Stresspegel gesenkt und die Aufmerksamkeit verstärkt auf die reale Welt gelenkt werden.

So funktioniert’s: Ziele setzen
Bevor du ins Digital Detox-Abenteuer startest, solltest du dir folgende Fragen stellen:
Warum? Mit welchen Erwartungen und Zielen gehst du in die Auszeit? Was soll sich konkret ändern? Hast du bestimmte Angewohnheiten, die du verändern möchtest? Welche Geräte? Üblicherweise ist der Digital Detox nicht auf bestimmte Geräte beschränkt. Ziel ist es, auf möglichst alles Digitale zu verzichten. Wenn du aber beispielsweise deinen Computer für die Arbeit brauchst, kannst du dich auch nur auf bestimmte Geräte festlegen, wie etwa Tablet, Smartphone oder Fernseher. Wann und wie lange? Überlege dir eine realistische Zeitspanne, in der du deinen Digital Detox durchführen möchtest. Du kannst dir diese Zeit am Stück nehmen (z. B. eine Woche oder einen Monat) oder aber du blockst dir feste Zeiten am Tag oder in der Woche (z. B. eine Stunde nach dem Aufstehen oder jeden Sonntag).

Was stattdessen tun? Die Nutzungsdauer jeglicher Art von Medien beträgt in Deutschland durchschnittlich 9,5 Stunden pro Tag. Während deines Digital DetoxAbenteuers wirst du also deutlich mehr Zeit zur Verfügung haben. Mache dir bewusst, was du stattdessen mit deinen neugewonnen Stunden machen möchtest. Willst du mehr Produktivität in deinen Alltag bringen oder neue Routinen kreieren? Willst du mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen oder dich mehr um dich selbst kümmern? Ein neues Hobby kann dich zusätzlich unterstützen, dich von Social Media und Co abzulenken.

Fünf Tipps zur digitalen Entgiftung
Smartphone-Dienste auslagern: Dein Handy ist Wecker, Taschenlampe, Telefon, Notizblock, Landkarte und Geldbeutel gleichzeitig. Willst du mehr Zeit ohne digitale Geräte verbringen, solltest du diese Funktionen wieder etwas entwirren. Der wohl wichtigste Aspekt: Wenn du dazu tendierst, nach dem Aufstehen gleich durch Social Media zu scrollen, dann hol’ dir eine analogen Wecker. Der kann nämlich genau zwei Sachen: Die Zeit anzeigen und gegebenenfalls klingeln.

Smartphone-freie Räume oder Zeiten. Am Familien-Esstischen starrt jeder in sein Smartphone, anstatt von seinem Tag zu erzählen. Vor dem Schlafengehen schaust du dir lieber ein YouTube-Video an, als gleich das Licht auszumachen. Im Garten beantwortest du Mails, statt dein Buch zu Ende zu lesen. Diese Dinge lassen sich ganz einfach vermeiden, wenn du Zonen oder Zeiten schaffst, in denen das Handy wegkommt. Wie wärs mit der Regel “kein Bildschirm im Schlafzimmer”, oder “kein Handy während dem Essen”?

Geräte ausschalten: Wann hast du das letzte Mal Dein Handy ausgeschaltet? Viele lassen das Handy
konstant auf Standby-Modus, heruntergefahren wird es höchstens, wenn sich eine App aufgehängt hat. So bist du aber auch immer erreichbar und hast die perfekte Ablenkung griffbereit neben dir. Mach es doch mal anders: Hast du deine Aufgaben erfüllt, schalte dein digitales Endgerät einfach aus. Dann ist die Überwindung, es wieder anzuschalten gleich viel größer: Schließlich dauert es länger und du fragst dich zweimal, ob du das Gerät gerade wirklich brauchst.

Weniger Apps, mehr Browser: Pling! Mit quasi jeder neuen App bekommst Du auch Push-Benachrichtigungen. Wer hat dein Bild gelikt, was ist in der Welt passiert, hast du dich schon genug
bewegt heute? Das ständige Vibrieren, Klingeln und Leuchten der Apps kann super nervig sein. Glücklicherweise gibt es viele App-Angebote auch in der Browserversion. Damit sparst du dir die Benachrichtigungen und machst dein Handy “unbequemer” in der Benutzung.

Das Handy zuhause lassen: Kleine Aufgabe, wenn du das nächste Mal nach draußen gehst: Überlege dir genau, ob du dein Handy dabei wirklich brauchst. Für ein Treffen mit Freunden, den Spaziergang zur Bäckerei oder den nächsten Einkauf ist ein Smartphone meistens nicht notwendig. Und was du nicht dabei hast, kann dich auch nicht ablenken. Das fühlt sich erst einmal sehr ungewohnt an – aber irgendwann auch befreiend!