Aktiv gegen Diabetes
Artikel von. Dr. Reinholz, Care Diagnostik, Mai 2023
In den letzten Jahren wird Diabetes auch als Epidemie bezeichnet. Dieses ist wenig verwunderlich, wenn die aktuelle Situation betrachtet wird. In Deutschland gibt es ca. sieben Millionen Menschen mit Diabetes. Die Dunkelziffer liegt bei geschätzten zwei Millionen.
Jeden Tag wird in Deutschland im Schnitt bei über 1500 Menschen eine Neuerkrankung von Diabetes mellitus festgestellt. 95 % dieser Fälle sind Diabetes mellitus Typ 2.
Zwar ist der Diabetes heute gut behandelbar und ein Betroffener kann ohne große Einschränkungen ein normales Leben führen. Jedoch führt ein unerkannter und nicht behandelter Diabetes zu fatalen Folgen. In Deutschland ist somit auch jeder fünfte Todesfall mit der Erkrankung Diabetes assoziiert.
Die Risikofaktoren für Diabetes sind hier das Alter, Stress und der Bewegungsmangel. Je älter die Menschen sind, desto häufiger tritt Diabetes auf. In Altersheimen haben oftmals mehr als die Hälfte aller Bewohner Diabetes. Der zweite große Risikofaktor ist der Lebensstil. Ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress führen zu einem enormen Anstieg der Diabeteswelle.
Nach Meinung der Experten gibt es geeignete Gegenmaßnahmen, um die Diabeteswelle zu brechen. Bereits bei Menschen mit Prädiabetes müssen Maßnahmen getroffen werden. Menschen mit „Prädiabetes“ sind noch nicht diabeteskrank aber auch nicht mehr stoffwechselgesund.
Die Glukosetoleranz ist bereits eingeschränkt. Etwa 70 Prozent der Menschen mit Prädiabetes werden im weiteren Leben an einem manifesten Diabetes erkranken.
Das Vorhandensein von Prädiabetes steht in den Augen vieler Experten im Zusammenhang mit dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen, Schlaganfall, chronischen Nierenerkrankungen, Krebs und Demenz sowie dem Risiko früher zu versterben.
Einig sind sich die Experten darin, dass der Prädiabetes und damit der Diabetes sowie die schleichenden Folgeerkrankungen zurückzuführen bzw. verhindert werden können. Es ist möglich die Diabeteswelle zu brechen.
Andere Länder machen uns dieses vor. In Deutschland stieg die Prävalenz des Typ-2-Diabetes zwischen 1960 und 2015 von weniger als 1 % der Bevölkerung auf 7,2 bis 9,9 % und hat sich somit fast verzehnfacht. Dagegen hat Norwegen den Trend gebrochen. Die Prävalenz stieg dort zwar auch noch moderat auf 6,1 %, jedoch ging die Neuerkrankungsrate aber signifikant zurück. Von 609 Fällen pro 100.000 Personen (2009) auf 398 Fälle (2014).
Dieses ist nach Auffassung der Experten auf verbesserte Lebensstilfaktoren zurück zu führen. Die Prävalenz der Adipositas nimmt so seit Jahren in Norwegen ab, auch die Anzahl der aktiven Raucher hat sich in zehn Jahren mehr als halbiert.
Aber auch Studien aus Deutschland machen Mut. Sie zeigen, dass sowohl der Prädiabetes als auch Diabetes Typ 2 besiegt werden können. Erfolgreiche Maßnahmen sind hier intensive Lebensstilinterventionen mit vor allem Bewegung und Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
Die Studien zeigen: „Viel hilft viel – mehr Bewegung verbessert Blutzucker und kardiometabolische Werte.“ Durch eine Verdoppelung der Bewegungsintensität gegenüber dem normalen Diabetes-Präventionsprogramm konnte zum Beispiel bei Hochrisikopatienten das Leberfett teils bis in den Normbereich reduziert werden.
Bei prädiabetischen Patienten mit niedrigem Risiko reichte eine herkömmliche Lebensstilintervention um innerhalb von drei Jahren zu einer Normalisierung der Glukosetoleranz zu erreichen.
Neuere Studien zeigen, dass gerade auch das Intervallfasten sehr gut bei der Bekämpfung von Typ-2-Diabetes helfen kann. Beim Intervallfasten werden nur an einige Stunden am Tag gegessen oder auch regelmäßig an bestimmten Tagen in der Woche auf Mahlzeiten verzichtet. Eine aktuelle Studie mit 36 Menschen an Typ-2-Diabetes zeigte, dass eine komplette Remission (dauerhafte Nachlassen von Symptomen) erreicht werden kann. Bereits nach drei Monaten Intervallfasten zeigten sich folgende Ergebnisse:
- 90 % der Teilnehmenden konnten nach der Diät die Dosis ihrer Antidiabetika (einschließlich Insulin) reduzieren.
- 55 % erreichten eine Remission und setzten ihre Antidiabetika für mindestens ein Jahr ab.
- Knapp 2/3 waren vor der Studie bereits länger als sechs Jahre an Typ-2-Diabetes erkrankt.