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Gartenkräuter und ihre Wirkung

Duftender Lavendel, fleißige Bienen, sprießendes Grün – über Kräuter auf Deiner Fensterbank oder im eigenen Garten freuen sich Insekten ganz besonders. Aber auch Du kannst erheblich von Kräutern profitieren: Deinen Salaten geben sie eine würzige oder erfrischende Note und ganz nebenbei kannst Du sie für Deine natürliche, pflanzliche Apotheke weiterverwenden. Natürlich ersetzen sie bei ernstzunehmenden Krankheiten keinen Besuch beim Arzt, können Dich aber auf dem Weg der Besserung unterstützen. Ob gegen Halsschmerzen, Schlafprobleme oder Husten, jedes Kraut hat seine ganz eigene Superkraft. Wir zeigen Dir, für welche Beschwerden Du welche Pflanze einsetzen kannst und geben Dir nützliche Tipps mit an die Hand.

Echter Salbei

Wirkung: Schon seit über 1.000 Jahren findet man Salbei in den klösterlichen Apothekergärten und als Heilpflanze und Konservierungsmittel verwendet. Seinen Namen trägt er voller Stolz, denn Salbei leitet sich vom lateinischen salvare, also “heilen” ab. Auch heute noch wird Salbei wegen seiner antibakteriellen Wirkung als Naturmittel gegen Halsschmerzen eingesetzt. Die enthaltenen Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe wie Rosmarinsäure lösen Verschleimungen zuverlässig. 

Trocknung: Für noch intensiveres Aroma in Deinen Speisen oder für Salbeitee kannst Du die Blätter unkompliziert an der Luft trocknen. Dafür verteilst Du die trockenen Blätter einzeln auf Zeitungspapier und lässt den Salbei für etwa zehn Tage bei 21 bis 27 Grad Celsius an einem gut durchlüfteten Ort trocknen.

Tipp: Ernte den Salbei nicht nur einmal, sondern gleichmäßig zwischen Mai und August. So reduzierst Du Verholzungen und Ausblühen. Denn vor allem die jungen Triebspitzen enthalten die wirksamen ätherischen Öle und aromatischen Inhaltsstoffen. Aber Achtung: Schneide niemals in den verholzten Teil der Triebe, da dieser sonst nicht erneut austreibt.

Echter Thymian

Wirkung: Mit Thymian machst Du vor allem Bienen eine große Freude, die daraus herrlich würzigen Thymianhonig produzieren. Aber auch Du selbst profitierst von der Pflanze. Thymian gilt als natürliches Antibiotikum und wird bei verschiedenen Atemwegserkrankungen eingesetzt, zum Beispiel Husten, Asthma oder Bronchitis. Bei Zahnfleischentzündungen kann eine Mundspülung aus Thymian und Salbei die Beschwerden lindern. Gib dazu einfach 2 EL (getrockneten) Salbei oder Thymian in eine Tasse heißes Wasser und lasse die Spülung 15 Minuten ziehen. Danach kannst Du die Blätter abseihen und Deine selbstgemachte Mundspülung über den Tag gurgeln und verbrauchen.

Küche: Seine aromatische Note entwickelt Thymian vor allem dann, wenn er mitgekocht oder -geschmort wird. Da Thymian gut zu kräftigem Fleisch passt, ist er perfekt für die Bolognesesoße, über gegrilltem Fisch und in Gemüsesuppen. Merke: Ein mediterranes Gericht kannst Du mit Thymian immer aufpeppen.

Tipp: Schwangere sollten mit Thymian sparsam umgehen und sich vorher ärztlichen Rat holen. Denn: Thymian steht im Verdacht, Wehen auszulösen. Die ätherischen Öle der Pflanze könnten auch zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur beitragen. 

Echte Kamille

Wirkung: Kamille ist das Allroundtalent unter den Kräutern und wird nicht umsonst als ‚Königin der Heilkräuter‘ bezeichnet. Sie zählt zu den beliebtesten Heilpflanzen der Welt und der aus ihr gewonnene Kamillentee ist eine der meistgekauften Teesorten. Die Pflanze wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und krampflösend. Die Blüten können Dir sowohl bei Magen-Darm-Problemen, Erkältungen, Sonnenbrand, Entzündungen der Augen, der Haut und bei Übelkeit Linderung verschaffen. 

Tee: Kamille lässt sich am besten in Form eines Tees weiterverarbeiten: Nimm einen Teelöffel getrocknete Blüten pro Tasse und lasse sie in kochendem Wasser ziehen, bevor Du die Blüten absiebst. Für Hautbeschwerden und Entzündungen kannst Du anschließend einen Umschlag mit dem Tee machen. Sogar bei Menstruationsbeschwerden und Entzündungen im Mund- und Rachenraum kann Kamillentee behilflich sein.

Tipp: Achtung, hier gilt Verwechslungsgefahr mit der giftigen Hundskamille! Bist Du Dir unsicher um was es sich handelt, kannst Du die Blüte vorsichtig der Länge nach halbieren. Bei der Echten Kamille ist das Innere des Blütenbodens hohl. Im Gegensatz dazu ist das Innere der Blüte der  Hundskamille sowie der Falschen Kamille gefüllt und eher flach.

Zitronenmelisse

Wirkung: Schon im Mittelalter wurde Zitronenmelisse unter anderem bei Herzerkrankungen und Melancholie eingesetzt. Da die Pflanze neben ätherischem Öl viele Gerb- und Bitterstoffe sowie Rosmarinsäure enthält, wird ihr eine schlaffördernde, beruhigende und angstlösende Wirkung zugeschrieben. Zitronenmelisse als sogenannter „Herztrost“ kommt bei allen nervösen Störungen, wie etwa Einschlafproblemen oder innerer Unruhe zum Einsatz. In der Volksmedizin wird sie auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt, viele Menschen schwören auch bei Herpes auf die Pflanze. Verabreicht wird Zitronenmelisse meist als Tee oder als Tinktur.

Küche: Frische Melissenblätter verleihen Deinen sommerlichen Salaten zusätzliche Würze. Ihr zitronig-minziges Aroma eignet sich hervorragend zum Aufgießen von Wasser, (Eis-)Tees, Sirupen, Soßen, Marmeladen, Gelees oder Likören. Süßspeisen wie selbstgemachtes Eis oder Sorbet sind mit Zitronenmelisse als Zutat besonders erfrischend.

Tipp: Je später Du die Zitronenmelisse beim Kochen/Garen Deines Gerichts hinzu gibst, desto aromatischer und kräftiger kommt ihr Aroma zum Tragen.

Brennnessel

Wirkung: Brennnesseln kennen viele nur als lästiges Unkraut. Tatsächlich ist die Pflanze aber zur “Heilpflanze des Jahres 2022” gekürt worden. Und das aus gutem Grund: Brennnesseln sind extrem vielseitig einsetzbar. Zu ihren Heilwirkungen gehört beispielsweise die gute Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen, Harnwegsinfekten und Nierengrieß, der sich zu Harnsteinen entwickeln kann. Und nicht zu vergessen: Brennnesseln fördern die Durchblutung, welche wiederum den Stoffwechsel anregt und Prostatabeschwerden lindern kann. 

Küche: Brennnesseln eignen sich wunderbar im Pesto, Tee, Salat, Smoothie oder als Spinatersatz. Sie sind sehr nährstoffreich und enthalten neben Mineralien wie Eisen, Magnesium und Kalium sogar mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte. Damit Du die Brennnesseln ohne Irritationen im Mund genießen kannst, musst Du zuerst die Brennhaare abbrechen. Hier gibt es drei Möglichkeiten: Brennnesseln kurz aufkochen, mit einer Teigrolle über die Brennnesselblätter walzen oder die Blätter pürieren bzw. mixen.

Tipp: Um Brennnesseln zu ernten, verwendest Du am besten robuste Handschuhe. Mit etwas Übung geht es aber auch ohne: Wenn Du die Blätter von unten nach oben streichend pflückst, bleiben die Härchen intakt, die sonst auf der Haut für das typische Brennen sorgen.